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Vier Wochen in Schottland – Reisetipps für Individualisten

Wie ist das, vier Wochen in Schottland zu leben? Was unterscheidet die schottische von der englischen Mentalität? Schüttet es vor Ort den ganzen Tag?

Heute interviewe ich für dich die liebe Sandra Wickert aus Berlin. Sie bloggt auf „adecentcupoftea“ über Großbritannien:

Elischeba: Wie ist es dazu gekommen, dass du vier Wochen in Schottland verbracht hast?

Sandra: Ich habe Ende August meinen Job in Festanstellung gekündigt, um von nun an als Freelancerin und Solopreneurin unterwegs zu sein.

Nachdem ich das letzte halbe Jahr schon fleißig an der Gründung meines Business gearbeitet hatte, wollte ich mir eine kleine Auszeit gönnen.

Schottland zu erkunden steht schon lange auf meiner Bucket-List, ich kannte bisher nur Edinburgh und Glasgow.

Also habe ich mir einen Monat in Schottland vorgenommen: Vier verschiedene Locations und ein schöner Mix aus Freelancing, Workaway (nach dem Prinzip „Kost & Logis gegen Mithilfe“) sowie echtem Urlaub mit Haustausch.

Workaway in Schottland

Das Foto zeigt Sandra Wickert – das Copyright liegt bei ihr

Elischeba: „Workaway“ klingt spannend. Wie kann ich mir das vorstellen?

Sandra: Ich habe zwei Workaways gemacht. Das erste war in den Highlands, unweit von Inverness. Ich war zu Gast bei einer alleinerziehenden Frau mit einer Tochter und zwei Pflegetöchtern.

Ich habe den Mädels ein paar Worte Deutsch beigebracht (und sie mir im Gegenzug gälisch) und wir haben zusammen Gerichte aus der süddeutschen Küche gekocht.

Sie sind total auf die Klassiker aus dem Repertoire meiner Oma abgefahren: Es gab Kässpätzle, Kartoffelküchle, Dinnele (eine Art Flammkuchen) und, na klar, Maultaschen.

adcot Edinburgh Calton Hill blog

Fotografin: Sandra Wickert

Normalerweise ist das bei Workaway so geregelt, dass man um die fünf Stunden pro Tag arbeitet und der Rest dann Freizeit ist.

Bei mir haben sich Arbeit und Freizeit gemischt – ich war fast den ganzen Tag mit der Family zusammen. Es hat sich aber nie wie Arbeit angefühlt, weil sie mich eben auch auf viele Ausflüge mitgenommen haben.

Bei meinem zweiten Workaway war ich in Scottish Borders, wo ich bei einer pensionierten Lehrerin gewohnt habe, deren Cocker Spaniel kürzlich acht Welpen bekommen hatte.

Ich habe bei der Pflege der Welpen mitgeholfen und auch etwas Gartenarbeit gemacht. Und auch hier wurde ich wieder total verwöhnt und mit dem Auto zu sehenswerten Orten gefahren – beide Erfahrungen waren einfach nur toll!

Sandra Wickert Berlin

Das Foto zeigt Sandra Wickert – das Copyright liegt bei ihr

Elischeba: Wie toll. Bei der Pflege der Welpen hätte ich auch gern mitgeholfen. Na, da ging es dir richtig gut! Stimmt es, dass es in Schottland ständig regnet?

Sandra: „Four seasons in a single day“ sagt man oft über Schottland, und das ist gar nicht mal so falsch.

Es stimmt, die Tage haben oft wolkenverhangen oder mit Nieselregen begonnen. An fünf von sieben Tagen in der Woche hatte ich aber mindenstens einmal täglich Sonne.

Ich lag sogar mitten in den Highlands mit Sonnenbrille auf dem Liegestuhl im Garten. Die Sonnenbrille musste ich mir übrigens ausleihen, denn dass ich die mal in Schottland benötigen würde, hätte ich nicht gedacht! 😉

adcot Highlands Schottland Blog

Fotografin: Sandra Wickert

Elischeba: Was hat dir an Edinburgh besonders gefallen?

Sandra: Ich war zuvor schon zweimal in Edinburgh und kannte somit die klassischen Highlights, wie das Castle, Arthur’s Seat, Calton Hill und die Innenstadt.

Dieses Mal habe ich mich ganz besonders in das Village of Dean und Leith verliebt. In Leith habe ich eine Tour von einer Freundin bekommen, die ich seit 2008 nicht gesehen hatte, das war unfassbar schön und interessant.

Edinburgh Leith schottlandblog

Fotografin: Sandra Wickert

Elischeba: Hast du Haggis probiert?

Sandra: Ich gestehe, ich esse kein Fleisch. In Schottland eigentlich ein Unding. Ich hatte auch kurz überlegt, ob ich nicht doch Haggis probieren sollte, vor allem als ich einen Ausflug nach Dingwall gemacht habe, wo es den angeblich besten Haggis in ganz Schottland gibt.

Ich bin aber doch beim vegetarian Haggis geblieben, der erstaunlich gut schmeckt.

Elischeba: Cool, dass es auch „vegetarian Haggis“ gibt. Hast du eine Whisky Destillerie besucht?

Sandra: Ich hätte es gerne, aber irgendwie habe ich es nicht geschafft. Als ich allerdings eine Woche in Invergordon verbracht habe, roch es die ganze Zeit nach Whisky, denn dort ist Invergordon Distillers gelegen, das man leider nicht besichtigen kann.

Wenn ich das nächste Mal in Schottland bin, will ich unbedingt die Eden Mill Distillerie in St. Andrews besichtigen.

Schottland Tipps

Fotografin: Sandra Wickert

Elischeba: Was unterscheidet deiner Meinung nach die schottische von der englischen Mentalität?

Sandra: Ich hoffe, niemand in England ist jetzt beleidigt, wenn er das liest, aber ich fand die Schotten tatsächlich noch etwas freundlicher als die Engländerinnen und Engländer, falls das überhaupt möglich ist.

Elischeba: Na, da werden sich die Schotten freuen! Wenn ich etwas Politisches fragen darf: Bist du der Meinung, dass Schottland sich nach dem Brexit aus dem vereinigten Königreich lösen und eigenständig in der EU bleiben sollte?

Sandra: Ganz ehrlich, ich habe keine für mich zufriedenstellende Antwort zu dieser Frage. Ich habe in Schottland mit vielen Menschen darüber gesprochen und die Meinungen sind dort stark differenziert.
Ich habe manchmal noch die irrationale Hoffnung, dass sich Brexit nur als wirrer Alptraum entpuppt, aus dem wir irgendwann erwachen.

adcot highlands blogger

Fotografin: Sandra Wickert

Elischeba: Hast du Nessie gesehen?

Sandra: Mit meiner Workaway-Gastfamilie war ich bei leichten Nieselregen („a perfect day for a picnic!“ so sagte man mir) am Ufer des Loch Ness picknicken. Nessie hat sich uns aber leider nicht gezeigt.

Elischeba: Ist Bed & Breakfast eine ideale Übernachtungsmöglichkeit?

Sandra: Wenn ich mir ein Bed & Breakfast gesucht habe, was eher selten war, dann war das meist eine Preis- und keine Herzensentscheidung.

Die Bed & Breakfast waren dann auch eher so, wie man sich ein Hotel der unteren Mittelklasse vorstellen kann.

In so einem Rosamunde-Pilcher-mäßigen Bed & Breakfast mit herzensguter Landlady bin ich bisher leider noch nicht gelandet 🙂 .

Ich mache sonst oft eher Wohnungstausch, zumindest wenn ich für länger irgendwo bleibe.

outlander garden scotland

Fotografin: Sandra Wickert

Elischeba: Welche Tipps hast du für Gäste, die das erste Mal nach Schottland reisen?

Sandra: Auf jegliches Wetter gewappnet sein. Also nicht nur die Gummistiefel, sondern durchaus auch die Sonnenbrille und -creme einpacken, zumindest, wenn man in den Sommermonaten reist.

Ein paar Wörter schottisch lernen, die Sprache hat ein paar wunderbare Eigenheiten. Sich mit offenem Herzen auf Land und Leute und die Landesküche einlassen.

Und dazu gehört zum Beispiel auch, in Edinburgh ein Curry zu essen, auch wenn man das nicht unbedingt als typisch schottisch verbuchen würde. Denn in Edinburgh gibt es die besten Curries der Welt!

Elischeba: Ganz herzlichen Dank für die tollen Tipps, liebe Sandra.

Du möchtest mehr von Sandra erfahren? Sie bloggt auf a decent cup of tea über Großbritannien.

Sonstiges: Ich hatte ein tolles Mode-Shooting – hüpf mal auf meinen Beautyblog.
 

1 Kommentar zu Vier Wochen in Schottland – Reisetipps für Individualisten

  1. Wie kommst du bloß immer an so spannende Interview-Partner? 😉

    Toller und sehr spannender Bericht, liebe Elischeba.

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