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Interview mit Neuseeland Urlaubern

Es gibt Reiseziele, die bei unseren Träumen ganz oben stehen. Ich möchte zum Beispiel einmal im Leben Neuseeland erkunden. Weil das Land der Fantasien so weit weg ist. So spannend. Und weil mir Besucher berichtet haben, dass dort die Zeit still steht. Die Menschen dort unendlich freundlich sein sollen.

Nun, ich habe zwei junge Männer getroffen, die sich den neuseeländischen Traum einfach so wahr gemacht haben. Wirklich einfach so? Im Rahmen meiner neuen Serie „Interviews mit tollen Reisebloggern“ habe ich Jochen Kolb und Georg Tönnissen nach ihren Erfahrungen und Tipps befragt.

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Elischeba: Welchen Herausforderungen musstet ihr euch stellen, um diese lange Reise anzutreten?

Jochen: Ich musste erst einmal überzeugt werden, diese Reise überhaupt anzutreten zu wollen. Mir war es eigentlich immer zu weit, zu teuer und mit viel zu viel Aufwand verbunden. Nach einem Abend mit viel Rotwein habe ich mich dann leichtsinnigerweise von Georg und unseren mitfahrenden Freunden überzeugen lassen.

Im Prinzip sind es aber die gleiche Herausforderungen wie bei jeder anderen Reise: frühzeitiges Planen, vergleichen der Anbieter und sich natürlich die Frage beantworten, was nehme ich alles mit.

Georg: Die erste Herausforderung bestand darin: Wie organisieren wir unsere Planung. Wir haben eine Website programmiert, in der wir jeweils unsere Wunschziele eintragen konnten. Dann hieß es: Reiseführer lesen, das Netz nach interessanten Orten durchsuchen. Aus den Wunschzielen haben wir dann unsere Reiseroute abgeleitet, die Fahrzeiten geplant und die Etappenziele festgelegt.

Jochen: Das war die Planung, Da wir unsere Reiseroute der Wetterlage angepasst haben, sind wir dann doch anders gefahren. Wir konnten fast alle unsere Wunschziele ansteuern, wenn auch nicht in der geplanten Reihenfolge. Generell ist aber wichtig, dass die Planung für eine solch weite Reise schon gut ein Jahr im Voraus starten sollte. Die Buchungen bei den Airlines und den Wohnmobil-Verleihern können circa 350 Tage im Voraus vorgenommen werden.

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Elischeba: Das hört sich nach guter Vorbereitung an. Wie lange seid ihr denn jedes Mal vor Ort gewesen? Und was empfehlt ihr – wie viel Zeit sollte man sich für Neuseeland mindestens nehmen?

Jochen: Je mehr Zeit man zur Verfügung hat, desto besser. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben. Und wenn man einfach nichts erleben möchte, dann bleibt man mit dem Camper oder dem 4WD einfach in der Natur stehen, kocht sich einen guten Kaffee und lässt Natur, Weite und Leben auf sich wirken.

Georg: Neuseeland ist quasi die entfernteste Destination von Deutschland aus. Somit benötigt man schon circa 30 Stunden für die Anreise. Um auch genügend Zeit am Urlaubsort verbringen zu können, sollte man mindestens 20 Tage vor Ort sein plus jeweils zwei Tage für die An- und Abreise. Unsere erste Reise ging zur Südinsel und wir haben 21 Tage dort verbracht. Die zweite Reise führte uns zur Nordinsel und hier konnten wir luxuriöse 24 Tage bleiben.

Da die Anreise mit das Teuerste ist, spielen einige Tage mehr oder weniger budgettechnisch keine größere Rolle. Viele Wohnmobil-Verleiher bieten ab dem 21. Tag auch Rabatte an.

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Elischeba: Dann habt ihr beide Inselhälften recht gut kennen gelernt. Wo hat es euch besser gefallen – und wieso?

Jochen: Schwierige Frage. Es gibt im Prinzip kein besser oder schlechter, es gibt nur ein anders. Einfache Rechnung: Neuseeland hat ca. 4,2 Millionen Einwohner. Davon leben auf der Nordinsel über drei Millionen, davon wiederum in der Metropolregion Auckland knappe 1,3 Millionen. Auf der größeren Südinsel leben somit knappe eine Million Einwohner. Damit ist diese Insel extrem ruhig und verlassen. Dort ist auch mehr Natur und natürlich für die Extremsportler als Eldorado die Stadt Queenstown.

Auf der Nordinsel kann man mehr Maori Kultur kennen lernen. Wer aktive Vulkane mal aus der Nähe sehen möchte, findet die auch nur auf der Nordinsel. Somit kann man sagen, für jeden ist etwas dabei.

Georg: Meine Rechnung ist einfacher: Süden = Natur, Norden = Rummel.

Jochen: Rummel? Wie Rummel… habe keinen Jahrmarkt gesehen!?

Georg: Mehr Leute, mehr Autos, mehr Touris, mehr Lärm, mehr von allem auf der Nordinsel. Allerdings immer noch nicht vergleichbar mit deutschen Verhältnissen.

Mir gefällt die Südinsel besser. Hier geht es „noch“ ruhiger und gelassener zu. In diesem Teil Neuseeland kann man innerhalb eines Tages vom Gletscher durch den Urwald zum Strand wandern. Die Natur bietet auf kurzer Strecke viele Klimazonen mit den unterschiedlichsten Gewächsen.

Jochen: Wie schnell wir uns an diese Ruhe und Gelassenheit gewöhnt hatten, merkten wir auch erst bei der Rückkehr nach Deutschland. Wir wurden regelrecht erschlagen von dem Lärm und der Hektik. Das gibt es auf Neuseeland nicht, noch nicht mal in Auckland.

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Elischeba: Wie kann man das Land denn am besten erkunden?

Georg: Also am intensivsten erkundet man das Land on foot. Hat man jedoch nicht so viel Zeit, dann eignet sich sehr gut der Camper. Man ist mobil, hat alles dabei und ist extrem flexibel und unabhängig. Das Netz an Campingplätzen ist hervorragend. Dazu gibt es bei uns auch schon einen Blogbeitrag 😉

Jochen: Auch mit dem allradgetriebenen Auto ist das Land gut zu erkunden. Übernachten kann man mit dem 4WD auch auf den Campingplätzen im Zelt oder in Lodges – ist damit aber nicht ganz so unabhängig wie mit dem Camper.

Für mich war das das erste Campingerlebnis und ich möchte es nicht mehr missen. Es macht enorm Spaß! Übrigens haben wir auch viele Radfahrer gesehen. Mit dem Rad kann man sich Neuseeland richtig erarbeiten. Dies geht aber nur für sehr geübte Radler. Neuseeland ist alles andere als flach.

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Elischeba: Welche Erfahrungen habt ihr mit den Einheimischen gemacht?

Georg: Hilfsbereit, open-minded, relaxed…

Jochen: Zwei schöne Beispiele: Bei unserem ersten Einkauf im Laden haben wir ein Schwätzchen mit der Kassiererin gehalten, die uns einfach so eine Rabattkarte in die Hand drückte, mit den Worten: Eigentlich geht es nur, wenn ihr euch registriert, aber mit dieser Karte bekommt den Einkauf schon mal was günstiger.

Eine weitere schöne Begegnung war an der Tankstelle. Wir wurden betankt und die Dame hat uns erklärt, was wir uns unbedingt noch anschauen sollten. Damit wir es auch wirklich richtig finden würde, nahm sie unseren Kuli und malte bei sich in der Hand den Weg auf.

Neuseeländer sind extrem stolz auf Ihr Land und Ihre Natur und das zeigen sie mit Herzen.

Georg: Vor allem sind sie stolz darauf, wenn Leute von so weit her kommen, um sich ihr Land anzusehen. Und denk an die Sache mit der Sicherung am Camper…

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Elischeba: Man sagt, das Neuseeland das Land der Schafe ist. Ist das so? Welche Tiere habt ihr sonst noch so gesehen?

Georg: Es gibt eine Menge Schafe auf Neuseeland aber längst nicht so viele wie man gemeinhin annimmt. Auf der Südinsel sind uns eher die Milchkühe aufgefallen. Aber das ist Jochens Thema

Jochen: Die Kühe auf Neuseeland sind einfach „cool“. Die Tiere dort sind viel lebendiger und sportlicher als unsere hochgezüchteten Viecher. Ich habe tanzende und springende Kühe auf der Wiese gesehen und war total perplex. Das kommt aber auch daher, dass die Tiere fast das gesamte Jahr draußen bleiben und riesige Weiden zur Verfügung haben. Und wenn man ganz genau hinschaut, dann sieht man auch ein verschmitztes Lächeln…

Georg: Nur für das Protokoll es gibt natürlich auch noch andere „coole“ Tiere auf Neuseeland, die wir gesehen haben: Kiwis, Wale, Delphine, Pinguine, Seelöwen, Seerobben, Keas, Wekas, Albatrosse, Tölpel, Hirsche… Übrigens trotz intensiver Suche in allen Höhlen und Spalten, wir haben keine Orks und Trolle gesehen. Leider auch keine Hobbits.

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Elischeba: Wie sieht ein typisch neuseeländisches Mittagessen aus?

Georg: Also das ist eine gute Frage… ich kann dir sagen wie das Abendessen aussieht – Vorspeise: frisch gebratener Lachs oder auch in Weißwein gekochte Green Lipped Mussel, Hauptgericht: gebratenes Lamm, gebratener Maiskolben, Süßkartoffeln, frischer neuseeländischer Salat, Nachtisch: Hokey Pokey Eis. Dazu einer der vielen leckeren, unglaublich köstlichen Weißweine aus Neuseeland.

Jochen: Sehr zu empfehlen: Chardonnay von Hunters.

Elischeba: Ihr plant die Tour ein drittes Mal. Was fasziniert euch an Neuseeland am meisten?

Jochen: Mindestens einmal möchten wir noch hin, es gibt noch so viel zu erleben. Unser Ziel wird die Südinsel sein. Daran fasziniert uns die Ruhe und Abgeschiedenheit, die tolle Natur, die Wildnis im Fjordland im Süden der Südinsel, die fantastischen Wanderungen und natürlich wie oben festgestellt, das gute Essen 🙂

Georg: Bei unserer ersten Reise konnten wir leider den Süden der Südinsel nicht so intensiv genießen. Es gibt noch einige Ecken, die ich mir gerne näher und in Ruhe anschauen möchte, wie z.B. den Doubtful Sound, die Stadt Dunedin, Steward Island und den Mount Cook National Park.

Mich fasziniert die Ursprünglichkeit der Natur und die Lebenseinstellung und Gelassenheit seiner Einwohner. Außerdem möchten wir einen der Great Walks machen.

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Elischeba: Was möchtet ihr bei eurem nächsten Trip anders machen?

Jochen: Wieder mit Air New Zealand fliegen. Ohne Werbung machen zu wollen. Diese Airline ist der absolute Hit. Unsere zweite Reise haben wir mit einer anderen Fluggesellschaft durchgeführt und wir waren schon beim Einstieg enttäuscht. Air New Zealand bereitet einen mental, kulinarisch und persönlich auf das Land vor.

Georg: Schon bei der zweiten Reise wollten wir weniger Kilometer fahren, das ist uns aber nicht gelungen. Somit haben wir dies nun als großes Ziel: Weniger Kilometer dafür länger an einzelnen Orten verweilen um noch intensiver alles erkunden zu können.

Jochen: Das ist die Schwierigkeit, die wahrscheinlich alle Reisende haben: Zu wenig Zeit für viel zu viele Orte die entdeckt werden wollen. Hier das Gleichgewicht zu finden ohne in Hektik zu geraten, dass ist schon eine Herausforderung.

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Elischeba: Wollt ihr ins Land der Träume auswandern oder bleibt ihr uns hier in Deutschland erhalten?

Georg: Mir fehlt der Lottogewinn zum Auswandern und in meinem Alter kommt Work & Travel nicht mehr in Frage. Und an die Einwanderung knüpfen die Neuseeländer bestimmte Bedingungen. Wir arbeiten daran.

Jochen: Deutschland ist auch schön…. und ich glaube wir lassen es bei den Reisen… außer wir gewinnen im Lotto eine siebenstellige Zahl, dann gibt es von uns an euch schöne Postkarten.

Aber noch zum Schluss das Thema „Work & Travel“. Wir haben sehr viele junge Deutsche dort getroffen, die Neuseeland für ein Jahr mit dem „Work & Travel“ Visum erlebten. Wer noch jung ist und die Zeit dafür hat, sollte das unbedingt tun.

Danke für das spannende Interview von Elischeba – und HIER geht`s zur tollen Website von Jochen und Georg

Hinweis: Die Fotos gehören Jochen und Georg – sie wurden mir für das Interview freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

 

2 Kommentare zu Interview mit Neuseeland Urlaubern

  1. Neuseeland könnte ich mir ja nie leisten, aber dank diesem Interview trotzdem ein bisschen träumen 😉

  2. auch unser Traum! das Interview ist sehr schön zu lesen …

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